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Das “Empört euch!” des deutschen Bildungswesens


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“Idioten made in Germany” - hier kommt die langersehnte Abrechnung mit dem deutschen Schul- und Bildungssystem, zugleich die Abrechnung mit einem Staat, der bereits seine Jüngsten für dumm verkauft.
Um den Spitzen der Wirtschaft gefällig zu sein, tricksen Politiker in Bund und Ländern. Sie schrauben nach Belieben an Steuer- und Sozialgesetzen, verdüstern uns den Alltag mit Krisengedöns und Terrorwarnungen, und ganz nebenbei selektieren sie wie eh und je unsere Kinder, verdammen sie zu Leistungszwang und Turbo-Lerntempo – lauter hochgebildete Leute, darunter etliche “Doktoren” und sogar Professoren. Mit spitzer Feder beschreibt Klaus Norbert Ursachen und Auswirkungen dieser “Bildung mit Stacheldraht”. Er prangert die Kaktus-Pädagogik einer Amy Chua an, argumentiert gegen die “alternativlose” Diktatur von Zensuren, bezweifelt die Sinnhaftigkeit von Zertifikaten. Seine Hauptthese: Immer mehr Eltern lassen sich von Pisa-Zahlen und Hartz-IV-Angst einschüchtern, treiben ihre Kinder zu unsinnigen (und auch kostspieligen) Höchstleistungen. Auf der Strecke bleiben Kindheit und Jugend, denn der immer härtere Schulalltag kriegt fast alle Köpfe weich. Es wächst heran: eine Generation noch stärker angepaßter, kritikloser Bürger - “Idioten”, wie der Autor auf den altgriechischen Wortstamm “idiotes” verweist. Also Menschen, die in der Gesellschaft nichts zu melden haben werden. Abi hin, Studium her. Klaus Norbert – schon seine “Einflüsterer” haben mir gefallen. Sein neues Buch begeistert mich: ein erfrischend anderer Blick, ein Stil wie Champagner. Herrlich, wie er das statusverliebte Bildungsbürgertum anhand von Wagners “Rheingold”-Geschwurbel entlarvt (“Weia, Waga, woge du Welle, walle zur Wiege” etc.). Einleuchtend die Erklärung, dass Friedrich der Große für die Handhabung seiner komplizierten Steinschloßgewehre zumindest grundschulgebildete Soldaten brauchte und deshalb die Schulpflicht einführte. Dem sich gern bildungsfreundlich gebenden “Spiegel” ist sogar ein ganzes Kapitel gewidmet. Die Redaktion, so Klaus Norberts Vorwurf, sei wirtschaftlich weitgehend unabhängig, weil ihr die Hälfte des Verlags gehöre. Trotzdem halte sie erkennbar zu den Mächtigen statt zu den Bürgern, vor allem nicht zum Großteil der elf Millionen Schüler und Studenten in Deutschland sowie deren Eltern und Lehrer. Ohne leitmediale Unterstützung könne jedoch kein bundesweiter Bildungsdiskurs in Gang kommen. Klaus Norberts kämpferisches Resümee nach rund 400 “empörenden” Seiten: Wir dürfen die totale Ökonomisierung von Schule und Studium nicht länger hinnehmen, uns Disziplinierung nicht als Bildung verkaufen lassen. Auf “Stuttgart 21” und den Atomausstieg müsse “Bildung 21” bzw. der Bildungsumstieg erfolgen. Ein Buch mit Grips und Kraft. Von mir fünf Sterne.
Themen dieses Beitrags:
Schulkind, Schulkinder, Schulzeit

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redaktion
Mitglied seit: 18. Mai 2011

 

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