Frage vom 27. August 2009
In Anlehnung an einen vorherigen Beitrag über das z.T. "fahrlässige" Verhalten mancher rauchenden Spielplatzbesucher, hier ein Bericht über die vielfach nicht bekannte Gefahr, die von unachtsam entsorgten Zigarettenkippen ausgehen kann:
Nikotin - eine tödliche Dosis für Kinder !
"Wenn Kinder Zigaretten essen, besteht Lebensgefahr !"
Quelle: Zeitschrift der DHS 3/93 (Deutsche Hauptstelle für Suchtgefahren)
Bereits die Aufnahme von 10 Milligramm Nikotin kann für ein Kleinkind tödlich sein, wobei diese Menge in der Regel schon in einer einzigen Zigarette vorhanden ist. Hier zeigt sich deutlich,
daß bei der weltweiten Diskussion über die Schädlichkeit des Rauchens ein Aspekt weitgehend unbeachtet geblieben ist: die Unfallgefährdung speziell kleiner Kinder, die durch Neugierde oder Unachtsamkeit Zigaretten oder Tabak in den Mund nehmen,
verschlucken und sich damit vergiften.
Nach Auskunft der Giftnotzentralen rufen immer wieder besorgte Eltern an, deren Kinder Zigaretten gegessen haben. Eigentlich kein Wunder, denkt man an den hohen Zigarettenkonsum vieler Erwachsener und die damit verbundenen überfüllten Aschenbecher und herumliegenden Zigarettenpackungen.
Eine Untersuchung hat gezeigt, daß etwa 20 Prozent aller untersuchten
Vergiftungsunfälle mit Kindern durch Nikotin (Essen von Zigaretten) passieren.
Damit stehen sie hinter den Vergiftungen mit Medikamenten an zweiter Stelle.
Zum Glück ereignen sich relativ wenig Nikotinvergiftungen mit tödlichem Ausgang, was aber wohl in erster Linie darauf zurückzuführen ist, daß durch das regelmäßige therapeutisch herbeigeführte Erbrechen (als Erste-Hilfe-Maßnahme) die Resorption des Nikotins aus dem
Magen-Darmtrakt rechtzeitig unterbunden wird.
Das soll Eltern jedoch nicht zur Sorglosigkeit verleiten, denn Kinder reagieren individuell verschieden: Was viele Kinder ohne Folgen überstehen, kann bei anderen zu erheblichen Vergiftungserscheinungen führen. So starben zum Beispiel zwei 2- und 3jährige Brüder,
weil sie Zigarettenkippen verschluckten.
Symptome bei Nikotinvergiftungen
Damit im Vergiftungsfall Erste Hilfe geleistet werden kann, ist es wichtig, die typischen Symptome einer Nikotinvergiftung zu erkennen. Diese treten in der Regel schon in der ersten Stunde auf: Bei leichten Vergiftungen kommt es zu Übelkeit, Schwindelgefühl,
Kopfschmerzen, Speichelfluß, Erbrechen und Zittern; bei schweren Vergiftungen zu Kollaps mit kleinem, sehr schnellen Puls, kaltem Schweiß, Zuckungen, Leibschmerzen und Durchfällen; bei schwersten Vergiftungen sogar zu Bewußtseinsverlust, zu Krämpfen, Atem- und Herzlähmungen.
Kleinkinder am meisten gefährdet
Am einfachsten ist es natürlich, wenn die Eltern durch entsprechende Aufsicht und durch das Wegräumen von Zigaretten und Tabak grundsätzlich dafür sorgen, daß Nikotinvergiftungen nicht passieren können, denn fast alle Vergiftungsunfälle mit Kindern geschehen in der elterlichen Wohnung. Dieser Idealzustand läßt sich jedoch erfahrungsgemäß nicht erreichen.
Deshalb sollten Eltern schon bei Verdacht, daß ihr Kind Zigaretten gegessen hat,
den Hausarzt oder die Giftnotzentrale anrufen.
Weitere Anmerkung:
Besondere Gefährdung besteht bei Verschlucken von Zigarren, Kau- oder Schnupftabake und Tabaksud (z.B. Kippen in Cola- oder Bierflaschen).
Da in Kippen Nikotin vor dem Zigarettenfilter kondensiert, sind Zigarettenfilter deutlich giftiger als vergleichbare Mengen Zigarettentabak. Auch von Pflastern wird Nikotin bei oraler wie dermaler Exposition (Vorsicht bei Verwechslung mit Wundpflastern) für Kleinkinder bedrohlich schnell freigesetzt. Auch gebrauchte Pflaster können noch toxikologisch relevante Mengen Nikotin enthalten.
Sofort-/Laienhilfe:
Besteht der Verdacht auf eine Nikotinvergiftung, sollte umgehend der Giftnotruf telefonisch kontaktiert werden, um eine Einschätzung der Gefährdung vornehmen zu lassen (dabei möglichst genaue Auskunft geben (was hat das Kind verschluckt, wieviel davon, wann ist es passiert?). Der Arzt am Telefon gibt dann weitere Anweisungen oder ordnet den Transport in die Klinik an.
Kein Erbrechen auslösen.
Bei schweren Symptomen (Bewusstlosigkeit, Atemstörung, fehlender Puls) ist sofort der Notruf 112 zu verständigen. Zwischenzeitlich müssen die Vitalfunktionen (Atmung u. Kreislauf) nach den ABC-Regeln aufrecht zu erhalten.
Eine hoffentlich gesunde Umgebung für alle Kinder wünscht
Snjezana