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Suppenkaspar in der Kinderküche - wie lernt man Konsequenz als Mutter, wie vermittle ich meinem Kind, daß ich beim Essen der "Chef" bin?


Mein Avatarkarina210
Frage vom 10. September 2009
Mein Sohn ist immer schon das, was man den klassischen Problemesser nennt. Mein Kinderarzt bezeichnete es beizeiten auch als Ess-Störung, die seiner Meinung nach eben auch schon bei Kindern ab einem Alter von 1 Jahr bestehen kann. Mir wurde der Besuch einer Psychologin angeraten, die meinen Sohn dann zusammen mit mir beim Mittagessen hätte filmen sollen, um dann zu analysieren, was bei uns falsch läuft. Angesichts der Tatsache, daß diese Sitzungen hätten immer zur Mittagszeit (Schlafenszeit) und in einem Klinikraum mit Klinikessen hätte erfolgen sollen, habe ich mich dazu entschieden, dies nicht zu tun. Vieles ist im Laufe der Zeit besser geworden, aber doch ist mein Sohn auch nun mit seinen 3.5 Jahren nicht "normal" -wenns ums Essen geht. Ich lege sehr viel wert auf gesundes Essen, bei mir gibts zweimal täglich frisch gekocht- aber leider ertapp ich mich immer wieder dabei, eben das zu kochen, was er gern mag. Gibt es was anderes, flippt mein Kleiner regelrecht aus u. sein sonst total ruhiges Gemüt ist nicht mehr wiederzuerkennen. Manchmal gewinne ich, manchmal er. Aber es ist sehr nervaufreibend und je nach Tagesverfassung geht man dem dann aus dem Weg o. eben auch nicht. Nun ist es aber so, daß er auch an zwei Tagen die Woche im Kiga essen sollte, weil ich nachmittags arbeite. Natürlich gibt es da niiieeee etwas was er gern mag u. auch dort verweigert er dann lieber, als etwas zu probieren, was er nicht kennt. Natürlich wird im Kiga kein Hype drum gemacht, ob er nun Hunger hat o. nicht. Ich fühle mich aber ganz schlecht bei dem Gedanken, daß er dann bis 4-5 Uhr nachmittags nichts zu essen mehr bekommt. Essen mitnehmen ist leider nicht erlaubt. Ich steh immer zw. 2 Stühlen,  weil ich nicht weiß, wo ich die Kraft her nehmen soll das mal wochenlang durchzuziehen. Ich bin immer in der Hoffnung das legt sich von allein, was es wohl auch nicht tut. Wie geht ihr mit bockigen Kindern um beim Essen? Seid ihr konsequenter? Und wenn ja, welche Gedanken habt ihr dabei?
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6 Antworten

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80.pngchristianeh...
Antwort vom 10. September 2009

Problemesser im Kindergarten

Hallo Karina,

...ich selbst hätte deine Frage vor einiger Zeit auch schreiben können, denn mein Sohn war auch ein "Problemesser im Kindergarten".

Aber dort hat man für diejenigen Kinder, die quasi nichts vom angebotenen Essen essen wollten, eine Regel aufgestellt: Die Kinder mussten das auf dem Tisch stehende Essen wenigstens probieren! Der Gruppendruck hat letztlich dazu beigetragen, dass die Kostverächter sich über Kurz oder Lang doch an vermeintlich nicht Schmeckendes heran getraut - und ihre Abneigung mehr oder weniger abgelegt haben. Allerdings wurde den Kindern, die das Essen einfach nicht möchten, als Ersatz eben ein Brot oder auch Obst angeboten. Und manches Kind bekam dann eben doch das mitgebrachte Essen serviert.

Ich würde an deiner Stelle noch mal mit den Erzieherinnen sprechen, nach einer für dich und dein Kind akzeptablen Lösung suchen und ggf. darauf aufmerksam machen, dass es ja nicht sein kann, dass ein Kind über so lange Zeit nichts isst. Denn am Ende hast du dann den Stress, weil dein Kind nach dem Abholen vermutlich eher "schwierig" sein wird, weil es total ausgehungert ist...

Und mit Härte wirst du vermutlich nicht weiterkommen, im schlimmsten Fall lernt dein Kind, dass Essen etwas Anstrengendes ist, das überhaupt keinen Spaß macht. Was du bestimmt nicht willst... Geduld ist also aus meiner Sicht der Schlüssel...

Alles Gute dabei, LG,
christiane
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4,7 von 5 (3 Bewertungen)
Mein Avatarsister
Antwort vom 10. September 2009

Probleme mit dem Essen

kenne ich von meinem Sohn ansatzweise auch. Ich finde, dass du dir sehr viel Mühe gibst, vielleicht sogar zu viel? Meiner Meinung nach brauchst du nicht 2 x am Tag kochen. Eine warme Mahlzeit ist völlig ausreichend. Versuche doch mal, den Schwerpunkt darauf zu legen, deinen Sohn in das Einkaufen und Zubereiten einzubeziehen. Vielleicht macht es ihm Spaß, so eine Art Speiseplan mit zuerarbeiten. Mal darf er sich etwas wünschen, mal du oder dein Mann. So kann man z.B.  zum Abendbrot  ein Gesicht zum Auffuttern machen: an den oberen Tellerrand Käse- oder Brotsticks als Haare, Gurkenscheiben als Ohren, eine Nase aus Wurzel, ein Würstchen als Mund. Es gibt ja alles vollwertig und bio! Zum Nachtisch auch mal einen Pudding z.B. von Alnatura. Laß mal deine und seine Phantasie spielen, bei uns hat diese Methode prima geklappt, so habe ich wir gegenseitig gelernt, aufeinander einzugehen und Vorlieben zu akzeptieren. Also, das Ganze in eine positive Richtung lenken, bringt bestimmt mehr, als ständig Kämpfe auszutragen.
Liebe Grüße von Gunda
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Antwort vom 10. September 2009

Aus Essen wird ein Thema

Liebe Karina,

Essen ist bei euch zum Thema geworden, das verstehe ich nur zu gut.
Wir haben das gleiche erlebt, bis wir von unserer Kinderärztin eindringlich gebeten wurden, ''unser'' Thema, denn das ist es haargenau (wir kochen gern gesund und mit Aufwand), nicht zum Thema unseres Kindes zu machen. (Siehe hierzu auch Bücher von Jesper Juul).
Eine befreundete Kinderärztin einer Freundin hat uns das gleiche bestätigt.
Unser Sohn ist sehr dünn, ist heikel und speziell mit dem Essen, probiert kaum etwas. Selbst im Waldkindergarten am ''Teiletag'' hat er kein Interesse an mitgebrachten Spezialitäten entwickelt. 
Unsere Kinderärztin hat uns erklärt, dass wir keinerlei Aufheben um das Thema Essen machen sollten - keine Extrakochereien. 
Ich bin auch der Meinung, dass es grundfalsch ist, wenn Alternativen angeboten werden, wenn das ursprünglich gekochte Essen nicht passt. Das Kind lernt dadurch, dass es Schlupflöcher und Ausweichmöglichkeiten gibt, wenn es etwas nicht (essen) mag.
So ist es zumindest in meiner Kindheit gewesen! Mir wurde immer etwas anderes gekocht, immer konnte ich mich beim Essen durchsetzen, weil ich dünn war und zunehmen sollte. Ich glaube, dass Kinder auch in dieser Beziehung Grenzen brauchen. Mögen sie etwas nicht, obwohl man ihren Geschmack von letzter Woche, als es das gleiche Gericht gab, getroffen zu haben glaubt, dann gibt es halt nichts! Oder nur die Kartoffeln ohne Drumherum! Süßigkeiten oder Nachtisch dürfen natürlich auch nicht als Ersatz herhalten. 
Wenn dann zur Abholzeit im Kindergarten der Magen knurrt, die Laune an der Mama ausgelassen wird, dann lernen Kinder nur durch Konsequenz - und vor allen Dingen durch eigene Erfahrung - dass es eben besser ist etwas mitzuessen, anstatt zu mäkeln.
Hierzulande gibt es ja wohl genug leckere Sachen, die für Kinder aufgetischt werden können, ohne origamisches Geschick aus der Spitzengastronomie für Staatsdinner...

Essen soll auch nicht zum Machtkampf ausarten. Essen soll doch nur genüsslich sein - zusammensitzen, genießen, Schmeckliches entdecken...

Laut unserer Kinderärztin holen sich Kinder alles, was sie brauchen. Wenn sie genug trinken (auch daran nicht ständig erinnern und anmahnen...), ist alles im Lot im Nahrungsenergiebereich. Je mehr aber ein Ding aus dem Thema gemacht wird, umso mehr entsteht Ablehnung. Entspannung kann bei großer Erwartungshaltung gar nicht aufkommen! Das habe ich selbst mit unserem Sohn erlebt, dem unsere täglichen Tiraden mächtig genervt haben müssen: ,,In unserer Familie gibt es keine schlechten Esser.'' / ,,Probier doch wenigstens, uns schmeckt es doch auch!'' / Iss' wenigstens ein wenig, damit du etwas auf die Rippen kriegst.'' (Hier steckt sprachwissenschaftlich betrachtet auch gleich noch das Wort Krieg im Satz!!!)

Ich bin froh, dass du der Idee mit dem ''Essstörungscheck'' nicht nachgegangen bist! Was bitteschön ist denn normal??? Manche Kinder haben halt kein sehr großes Interesse an Essen, gemütliches Sitzen am riesengroßen Tisch, sie haben andere Interessen!!!!  
Ich finde es unglaublich, dass Eltern so zugesetzt und in normal/nicht normal unterteilt wird, ohne Graustufen, nur schwarz/weiß!
Vielleicht entwickelt sich euer Sohn später einmal zu einem Weinliebhaber, mag aber partout nie Bier; vielleicht liegt ihm später gar nichts am Essen, sieht es als notwendig, nicht aber als Genuss an - wer weiß?

Ist euer Sohn bei U-Untersuchungen denn auffällig untergewichtig?

Ich finde es inzwischen nach allem was wir erlebt, gehört, bedacht und selbstkritisch geändert haben wichtig, dass das Kind das Gefühl bekommt, als Eltern vertraut man dem Sättigungsgefühl, der Lebensmittelvorliebe, dem Bedürfnis des Kindes nach Nahrungsaufnahme.
Wir versuchen ja auch nicht Freunde, die gern bayerisch essen, mit Engelszungen zu bekehren, nur noch in ein französisches Lokal zu gehen, weil es beispielsweise gesünder wäre...

Was hilft jeden Tag auf's Neue? - Lässiger werden. Essen auf seine Weise einfach schlicht zubereiten, ohne Gedöns und Getöse, dann einfach selbst genießen. Immerhin sehen die Kinder dann die Vielfalt und den Reichtum auf dem Tisch, auch wenn sie ihn nicht schmecken wollen....
- Wenn man selbst unverkrampfter mit einem Thema umgeht, dann entspannen plötzlich alle.  

Viel Glück wünscht euch mitfühlend
emmi
Bewertung:
4,8 von 5 (5 Bewertungen)
Mein Avatarbaby_girl3
Antwort vom 11. September 2009

Mach dich nicht verrückt..

wie du siehst geht es vielen Müttern wie dir. Die Tochter meiner Freundin isst manchmal nur einen Joghurt am Tag, sie will einfach nichts. Meine Freundin gibt ihr mittlerweile immer Joghurts, damit sie überhaupt was isst.

Und ich bin absolut Tanjas Meinung.

Lass den Magen doch knurren, die Kinder werden davon nicht krank! Und irgendwann werden sie verstehen, dass es eben nichts anderes gibt. (Ich weiß, dass das ganz hart für eine Mama ist!)
Naürlich sollte man dies beobachten, manchmal sind Kinder ja hartnäckiger als wir. Aber wenn sie ausreichend trinken ist alles im Lot.
Und es fängt ja erst beim Essen an :
"Nein ich mag die Möhren nicht" - Ok dann mach ich dir was anderes.
"Nein, ich mag Mathe nicht" - ?
"Nein, ich will nicht schlafen!! - ?

Kinder müssen lernen, dass es nicht immer nach ihrem Willen abläuft!

Aber man darf sie auch nicht zum Essen zwingen. Diese Erfahrung hab ich leider in meiner Kindheit machen müssen. Der Teller musste immer leer gegessen werden, ob ich das mochte oder nicht! Ich war ein sehr schlechter Esser und musste im Kindergarten immer sitzen bleiben bis der Teller leer war, egal ob ich gewürgt hab! Bis heute hab ich einen Horror, wenn ich daran denke!

Ich bin heute übrigens eine sehr gute Esserin ;-)

Meine Tochter (14 Monate) macht das auch schon, sie weiß dass ihre Kekse leckerer sind, als das was ich gekocht hab. Isst sie das nicht  - eben nicht, aber dann auch nichts anderes!

Da du deinem Sohn bislang immer eine Alternative angeboten hast, wird es jetzt natürlich doppelt schwer, aber halte durch auch wenn es sehr viele Nerven kostet.
Er wird sich melden wenn er Hunger hat und irgendwann nach geben, das kann dauern aber er wird es tun.

Ich wünsche dir ganz viel Kraft und viel Erfolg.
Bewertung:
4,5 von 5 (2 Bewertungen)
Antwort vom 12. September 2009

Nörgeliger Esser

Liebe Karina, 
auch mein Ältester war ein extrem schwieriger Esser. Als er gerade 3 Jahre alt geworden war, war ein gemeinsamer Urlaub mit einer Freundin und deren Kindern für mich eine Art Schlüsselerlebnis, nach dem ich gesagt habe, ich möchte so nicht mehr weitermachen.

Als wir wieder zuhause waren, habe ich dann von einem Tag auf den anderen angefangen, sehr konsequent zu sein. Es gab was es gab und jeder musste zumindest probieren und konnte dann davon essen oder es lassen. Zwischen den Mahlzeiten gab es nichts. Das hört sich sehr hart an und es ist mir auch nicht immer leicht gefallen. Ich habe mich immer wieder selber ermuntert, dass ich ihm (und mir) auf lange Sicht damit nur helfe, und mir gesagt, dass ich ja keine schrecklichen Dinge anbiete, sondern wirklich nur gute und kindgerechte Sachen koche. Ein bisschen kann man ja auch steuern, dass das Kind abends nicht wirklich hungrig ins Bett geht - nach einem verweigerten Essen kann es ja eine nächste Mahlzeit geben, von der man weiß, dass sie dem Kind schmeckt.

Im Laufe der Zeit, wenn das Kind merkt, dass man bei der neuen, konsequenteren Linie bleibt, kann man Gerichte kochen, die dem Kind schmecken, sie aber  ein wenig abwandeln oder erweitern (zum Beispiel einfach mal mit sichtbaren Kräutern drin, was für meinen Sohn ein absolutes no go war). Dann geht das gleiche Spiel von vorne los.. Es kostet in der Tat sehr viel Kraft, wenn man an solchen eingefahrenen Mustern etwas ändern will.

Ich denke, das Schwierigste ist, die eigene Haltung zu verändern - anstelle einer gewissen Verkrampftheit (es ist mir sooooo wichtig, dass mein Kind was Gesundes im Magen hat) und muss eine neue Lockerheit und Art Ist-mir-egal-Haltung treten. Die neue Haltung muss eine innere Festigkeit als Grundlage haben. Für die Grundhaltung hat mir das Buch "Kinder fordern uns heraus" von Rudolf Dreikurs sehr geholfen.

Auch mir hat der Kindergarten sehr gut in die Hände gespielt. Ich kann mich da Christiane voll und ganz anschließen. Der Gruppenzwang bewirkt doch so einiges und wenn die Erzieher eingeweiht sind und mit an einem Strang ziehen, kann man so sehr viel erreichen.
In unserem Kindergarten gab es ebenfalls die Regel, dass jeder probieren muss. Wenn einem Kind gar nichts geschmeckt hat, durfte es ein Brot oder Obst haben. Es gab Wochen, da hat mein Sohn täglich Salamibrot zum Mittagessen gegessen - ich hab mich versucht, locker zu machen. 
Unsere Erzieher haben zu der Zeit ins Leben gerufen, regelmäßig mit einer kleinen Gruppe Kinder zu kochen oder zu backen - und mein Sohn war fast immer dabei, mehr als die anderen Kinder. Was er selber mitgekocht hatte, aß er dann im Kindergarten zum meinem Erstaunen, auch wenn es Dinge waren, die er hier nicht angerührt hätte.

Ich weiß auch nicht, ob es die Mischung aus allem und das steigende Alter des Kindes war - heute ist meinem Sohn nichts mehr von den früheren Zickereien anzumerken. Wir haben keine Probleme mehr mit dem Essen und ich könnte es mir bei drei Kindern auch gar nicht leisten - wenn da jeder seine Allüren hätte... Ich hoffe, das macht Dir ein wenig Mut - wenn du magst, können wir auch gerne nochmal separat zu dem Thema mailen oder auch telefonieren. Viele Grüße giu
Bewertung:
5 von 5 (1 Bewertung)
Antwort vom 12. September 2009

Kinder und Essgewohnheiten

Liebe Karina,

Giu's Antwort spricht mir aus der Seele, das von giu empfohlene Buch lesenwert, ihre Ratschläge nachahmenswert.

Als ich eben ihre Antwort gelesen habe, mit jeder Zeile interessiert weitergelesen habe, fiel mir noch eine Volksweisheit ein, die mir einmal über die Leber gehüpft ist:

,,Die sicherste Methode, es seinen Kindern schwer zu machen, besteht darin, es ihnen zu leicht zu machen.''

Aber dieser bleibt mein Lieblingsspruch...

Es gibt keine vernünftige Erziehung, als Vorbild zu sein, wenn es nicht anders geht, ein abschreckendes. (Albert Einstein, 1879-1955)

Viele Grüße noch einmal an dich sendet dir emmi

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