Einloggen

BenutzernamePasswort

Thema Impfungen


Frage vom 27. Januar 2010

 

In Anlehnung an eine vorangegangene Diskussion zum Thema Impfungen möchte ich hier noch einmal die Gelegenheit nutzen, um meine Sicht der Dinge als Kinderärztin zu diesem Thema, darzustellen. Natürlich bin ich als Kinderärztin eindeutig FÜR Impfungen; ich persönlich finde jedoch, dass sehr viel über das Thema Impfungen diskutiert wird, dass aber die Erkrankungen, um die es geht, scheinbar nur noch eine untergeordnete Rolle in der Diskussion zu spielen scheinen (was auch daran liegen mag, dass die Diskussionen selten von Kinderärzten (die vermutlich noch die meisten Kinderkrankheiten in ihrer Ausbildung sehen) geführt werden).

Natürlich ist jedes Medikament mit Risiken und Nebenwirkungen behaftet, aber wenn der Nutzen die Risiken überwiegt (wie es bei Impfungen der Fall ist), ist es geradezu fahrlässig, diese als Mediziner nicht einzusetzen. Und ich kann von meiner Seite nur mutmaßen, dass die Menschen, die radikal gegen Impfungen sind, noch NIE die Komplikationen der Kinderkrankheiten, um die es geht, gesehen haben. Und für diese Menschen ist die Impfung scheinbar(!) viel schlimmer, als die"harmlosen" Masern oder die Röteln. Wer jedoch Kinder mit einer Masernenzephalitis gesehen hat (und die ist in Entwicklungsländern, die eben nicht über den "Luxus" einer Impfung verfügen, leider nicht selten), oder Kinder, die nach einer intrauterinen Rötelninfektion der Mutter dauerhaft geschädigt sind, der wird sich seiner Sache sicher sein, wenn er sich und/oder sein Kind, oder das kleine Kind des Nachbarn, das noch nicht gegen Masern geimpft ist und darunter schwer erkranken kann, schützen kann.
Das Thema Wundstarrkrampf, Kinderlähmung scheint uns ja schon gar keine Angst mehr zu machen; eben weil es für unsere Generation fast schon "unglaublich" ist, dass man sich dagegen schützen muß, denn schließlich erkrankt hierzulande doch niemand mehr daran; ABER wir erkranken nicht daran, weil durch die Impfungen die Erkrankung weitgehend verdrängt worden ist (was in den ärmeren Ländern dieser Welt leider nicht der Fall ist).
Vor Beginn meiner Elternzeit habe ich über 7 Wochen (!) lang einen Säugling stationär mitbetreut, der im Heimatland an Keuchhusten erkrankt war, bevor er mit seinen Eltern nach Deutschland flüchtete. Obwohl das Kind im Vorfeld des stationären Aufenthaltes, schon von einem Arzt gesehen worden war, ist die Diagnose zunächst nicht gestellt worden; vermutlich, weil diese Erkrankung selten ist und nicht jeder Arzt darin geschult ist, sich in solchen Fällen über den Impfstatus zu informieren. Zum Glück waren die Eltern (sicherlich auch wegen der sehr ausgeprägten Hustenattacken und der von ihnen vermutetetn Atemaussetzter des Kindes) so hartnäckig, dass sie eine Klinik aufgesucht haben, in der sich mithilfe eine Monitors sehr lange Atempausen nachweisen ließen, die einen mehrwöchigen Klinikaufenthalt erforderlich machten und vermutlich tödlich verlaufen wären, wenn dieses Kind nicht stationär betreut worden wäre. Ich bin mir sehr sicher, dass diese Eltern die Notwendigkeit einer Impfung gegen diese Erkrankung nicht in Frage gestellt hätten (und sie vermutlich im Vorfeld für ihr Kind auch genutzt hätten, wenn es ihnen in ihrem Heimatland möglich gewesen wäre). Dieses ist nur eines von vielen Beispielen aus meiner bisherigen Berufslaufbahn und daher von meiner Seite der Rat:  

Jeder sollte sich vor einer Impfung nicht nur gut über die Wirkung / Nebenwirkung / Risiken der Impfung, sondern vor allem auch über die Risiken der Erkrankungen, um die es geht, informieren!!!

Snjezana
Themen:
Beantworten Sie diese Frage!
9 Antworten

Antworten

80.pngchristianeh...
Antwort vom 28. Januar 2010

Thema Impfungen

Hallo Snjezie,

das Thema Impfungen hat mit deinem Beitrag noch mal eine ganz andere Dimension bekommen, vielen lieben Dank für deine Schilderungen, die mir persönlich sehr nahe gehen!

Wie Kathrin bin auch ich eine Mutter, die alle Impfungen (bis auf die gegen die Schweinegrippe) mitgenommen hat und angesichts deiner Schilderungen bin ich einmal mehr froh darüber, dass ich solche "Fälle" weder im Umfeld noch mit meinem Sohn erleben musste. Und ich bin auch sehr froh, dass die Impfstoffe inzwischen so gut geworden sind, dass nahezu keine Nebenwirkungen mehr auftreten... unsere Kinderärztin meinte einmal, Eltern, die ihre Kinder überhaupt nicht impfen liessen, handelten unverantwortlich, auch der Gesellschaft gegenüber.

Liebe Grüsse,
Christiane
Bewertung:
3,7 von 5 (6 Bewertungen)
Mein Avatardaniela
Antwort vom 28. Januar 2010

Sehe es genau so...

Hallo Snjezie!

Ich habe ja 4 Jahre lang bei einem KIA gearbeitet bevor ich in Mutterschutz gegangen bin und ich sehe es mit den Impfungen wie du. Die Auswirkungen der sogenannten harmlosen Kinderkrankheiten sind viel schlimmer als die Impfung.  Ich habe in den ganzen 4 jahren die ich gearbeitet habe, keine Kind gesehen das einen Impfschaden hatte, gesehen, die Impfungen haben sich in den letzten Jahren soweit entwickelt das Impfschäden kaum noch auftreten, wenn überhaupt bekommt ein Kind etwas Fieber- aber das ist nichts im Vergleich was die Krankheiten gegen die geimpft wird auslösen können.
Ich habe Elias bis jetzt gegen alles ausser Schweinegrippe impfen lassen und werde auch die nächsten Impfunge durchführen und finde es unverantwortlich sich selber, seinem Kind und auch der Gesellschaft gegenüber wenn man nicht impf.

Lg Dani
Bewertung:
5 von 5 (3 Bewertungen)
Mein Avatarkathrin
Antwort vom 28. Januar 2010

Kind immer impfen!

Liebe Snjezana,

danke für Dein Engagement zum Thema Impfen! Ich stimme Dir in allen Punkten absolut zu und bin froh, dass Du darauf hinweist, dass es nicht um die verhältnismäßig so seltenen Impfnebenwirkungen geht, sondern darum, schlimme (Kinder-)Krankheiten langfristig in den Griff zu kriegen.

Sicher gibt es Kinder, die wegen einer Impfung Probleme haben, kurz-, mittel- oder langfristig. Aber statistisch gesehen sind die Schäden, die die Krankheiten, gegen die geimpft wird, auslösen, so viel häufiger und schlimmer! Wie Du schreibst, wird das in der Panikmache in der Pro-/Contra-Impfdiskussion sehr, sehr häufig unter den Tisch gekehrt.

Viele Grüße

Kathrin




Bewertung:
5 von 5 (4 Bewertungen)
Mein Avatarkarina210
Antwort vom 28. Januar 2010

@Christiane - das ist aber eine mutige Äusserung

Zitat:"Eltern, die ihre Kinder überhaupt nicht impfen liessen, handelten unverantwortlich, auch der Gesellschaft gegenüber"
Sorry Christiane, ich les ja gern Deine Beiträge - aber mit dieser pauschalen Aussage gehst Du meiner Ansicht nach ein Stückchen zu weit. Mir ist klar, daß Impfen ein Thema ist, das die Gemüter erregt, ich würde mich, als Mutter, die nicht wahllos einem 3-monatigen Säugling eine 7- o. 8 fach Impfung verpassen lässt, aber nicht als unverantwortlich gegenüber der Gesellschaft nennen. Ich nehme an, daß ein  Baby mit 3 Mt. sehr selten in Deutschland an Kinderlähmung oder Tetanuskrankheit erkrankt, wann ich mein Kind also impfen lasse oder welche Impfungen ich ausschließe, entscheide ich zum Glück immer noch selber. Ich trage auch die Konsequenzen daraus. Kann es aber nicht akzeptieren, daß ich deshalb als unverantwortlich der Gesellschaft gegenüber betitelt werde. Finde das schon sehr gewagt, so über andere zu urteilen. 
Bewertung:
3,2 von 5 (4 Bewertungen)
Mein Avatarbaby_girl3
Antwort vom 28. Januar 2010

Ich finde es viel schlimmer...

dass man solche Impfungen einfach macht ohne es mal zu hinterfragen! Nur weil es eben alle machen und alle Ärzte einem dazu raten! Es gibt nicht ohne Grund Impfgegner und man sollte sich zumindest mal mit dem Thema befassen!!
Und wie man im Endeffekt entscheidet ist jedem selbst überlassen, aber bitte mal drüber nachdenken was die Kleinen da bekommen !!!
Soviel zum Thema unverantwortlich !!!
Bewertung:
3,6 von 5 (5 Bewertungen)
Mein Avataretta
Antwort vom 28. Januar 2010

Impfungen ja, oder nein

Hallo zusammen,

natürlich sollten alle Eltern selbst entscheiden, ob und gegen was sie ihre kleinen impfen lassen, auch wir haben unsere Tochter bis auf die Schweinegrippe impfen lassen.
Doch nun muß ich Christiane auch in Schutz nehmen, denn sie schilderte nur ein Zitat ihrer Kinderärztin: "...  unsere Kinderärztin meinte einmal, Eltern, die ihre Kinder überhaupt nicht impfen liessen, handelten unverantwortlich, auch der Gesellschaft gegenüber "!
Also wäre es in jedem Interesse, sich Beiträge genauer durchzulesen, bevor man sich angegriffen fühlt!

Habt Euch lieb,
liebe Grüße, Elke
Bewertung:
4,8 von 5 (4 Bewertungen)
Antwort vom 28. Januar 2010

Impfungen

Das Landesgesundheitsportal; Gesundheit.nrw
"Wie gefährlich ein Krankheitserreger ist, gerät in Vergessenheit, wenn die Erkrankung nur noch selten auftritt. Betrachtet man aber größere Ausbrüche, wird schnell klar, welche Komplikationen mit so einer Erkrankung verbunden sein können
Die Masern zum Beispiel gehören weltweit immer noch zu den häufigsten Infektionskrankheiten mit Tausenden von Todesfällen, besonders bei Kindern."

UNICEF-Jahrespressekonferenz 2005:
Fast jedes fünfte Kind in Afrika überlebt nicht:
[...] „Das stille Massensterben der Kinder in Afrika ist ein Skandal“, erklärte Dietrich Garlichs, Geschäftsführer von UNICEF Deutschland. „Mit einfachen und kostengünstigen Maßnahmen wie Impfungen, imprägnierten Moskitonetzen oder der Ausbildung von Hebammen könnte man allein in Afrika jedes Jahr einer Million Kindern das Leben retten.“
[...] "Die größte Gefahr für die Kinder in Afrika sind bis heute vermeidbare oder behandelbare Krankheiten wie Malaria, Durchfall, Lungenentzündung, Masern. Die meisten Todesfälle passieren kurz nach der Geburt und in den ersten Lebenswochen. In über der Hälfte der Todesfälle spielt chronische Mangelernährung eine entscheidende Rolle."

ÄrzteZeitung.De
Impfkampagnen gegen Masern erfolgreich - aber nicht bei uns
Weltweit sinkt die Zahl der Todesfälle um 78 Prozent / Deutschlanf tritt auf der Stelle
"Systematische Impfkampagnen gegen Masern in Entwicklungsländern zeigen Wirkung: Die Zahl der dadurch verursachten Todesfälle ist seit 2000 weltweit um 78 Prozent zurückgegangen. In Deutschland hat die Maserneradikation allerdings 2009 keine Fortschritte gemacht.
[...] Nach Angaben der (Masern-)Initiative sterben weltweit weiter täglich über 400 Kinder an der vermeidbaren Krankheit. Dreiviertel der Todesfälle habe es 2008 in Indien gegeben. Die Maßnahmen zur Eindämmung müssten jetzt fortgesetzt werden. Masern sind hoch ansteckend und können sich sehr schnell wieder ausbreiten."

Focus-online, gesundheit:
Masernimpfung
Der vergessene Schutz
"Die WHO wollte die Masern bis 2010 ausrotten. Deutschland hat dieses Ziel nicht erreicht. Mit 800 bis 1000 Neuansteckungen liegt es europaweit sogar an der Spitze."
[...] "Mit seiner Infizierungsrate liegt Deutschland europaweit an der Spitze: Rund 800 bis 1000 Menschen stecken sich hierzulande jedes Jahr mit Masern an. Für fünf bis zehn von ihnen endet die Krankheit tödlich. Im Vergleich: Die skandinavischen Länder kennen Masern fast gar nicht mehr."

Die skandinavischen Länder kennen Masern also fast gar nicht mehr; leider nur solange, bis die "nicht-geimpften Touristen aus Deutschland" kommen und die skandinavischen Kleinkinder (die unter 2 Jahre als sind und somit ihre Masern-Mumps-Röteln-Impfung noch nicht hatten) anstecken: das ist mit gesellschaftlicher Verantwortung gemeint und die bezieht sich nicht immer nur auf das eigene Kind (ebensowenig, wie die Tatsache, dass Patienten nach einer Chemotherapie u/o mit einer Immunschwäche tödlich bedroht sind, wenn sie Kontakt zu einem Windpocken-Erkrankten bekommen, während die Windpocken für das eigene Kind viell. harmlos sind).

Masern stehen hierbei für mich "exemplarisch" für das Thema Kinderkrankheiten / Impfungen allgemein!

Ich persönlich möchte, gerade aufgrund der Fülle an Wissen, die für so eine wichtige Entscheidung u/o Diskussion notwendig ist, unbedingt dazu raten, sich als Eltern umfassend informieren zu lassen und zwar von einem Fachmann; und auch bei der Wahl des Fachmannes dessen Ausbildung zu hinterfragen!

Snjezana



 

Bewertung:
5 von 5 (4 Bewertungen)
80.pngchristianeh...
Antwort vom 28. Januar 2010

@ Elke: Danke, dass du darauf hinweist, dass ich nur zitiert habe zum Thema Impfungen!

Hallo zusammen,

ich sage herzlichst Danke an dich, Elke!

Für alle "Unbeteiligten": Sie nimmt mich "in Schutz", denn ich habe ja nur ein Zitat gebracht und meinte auch, dies deutlich gekennzeichnet zu haben! Ich habe zwar auch vorher schon gesagt, dass ich eine Impf-Befürworterin bin, aber bei aller Liebe keine Militante. Ich würde niemals jemanden nötigen wollen, es genauso zu handhaben. Aber auch die neuen die Argumente von Snjezie bekräftigen mich in meiner Meinung zum Thema Impfungen.

Unterm Strich finde ich es toll, dass wir hier ein Thema diskutieren, das so kontrovers ist - und dass es uns allen dabei so sehr um die Sache geht! Lieben Dank Euch allen für die Beiträge!

Viele Grüsse,
Christiane

Bewertung:
3,7 von 5 (3 Bewertungen)
Antwort vom 28. Januar 2010

Die Gesundheit des eigenen Kindes...

Wenn es um die Gesundheit des eigenen Kindes geht, sind so viele Emotionen im Spiel, dass es oftmals schwierig ist, sachlich zu bleiben; ich denke, das kann jeder verstehen, der selbst ein Kind hat...
Umso wichtiger ist es, dass es Foren, wie diese gibt, in denen so ein reger Austausch möglich ist, denn viele der Informationen gehen in einem Patientengespräch unter, so dass oftmals die betreuenden Ärzte gar nicht wissen, wie hoch die Verunsicherung der Eltern zu diesem wichtigen Thema ist. Ich persönlich sehe anhand der Diskussion, wie wichtig eine umfassende Aufklärung zu diesem Thema ist und hoffe, dass es gerade den niedergelassenen Kinderärzten gelingt, das Vertrauen ihrer Patienten und deren Eltern zu gewinnen.
Snjezana 
Bewertung:
5 von 5 (6 Bewertungen)

Frage beantworten oder kommentieren

Bitte melden Sie sich an

Bitte melden Sie sich an, um aktiv an der FamilyLounge teilzunehmen!
Login

Passwort

Sie sind nicht eingeloggt.

Sie sind noch kein Mitglied?

Dann registrieren Sie sich jetzt und nutzen Sie folgende Vorteile:
  • Austausch mit anderen Eltern
  • Expertentipps + individuelle Ratgeber
  • persönliche Fotoalben
Kostenlos registrieren!
Zum Anfang der Seite springen