Antwort vom 14. November 2007
Vertrau auf Deine Intuition!
Liebe Mamimax,
da es in unseren Schulen leider selten ohne Zertifikate geht und Lehrer häufig meinen, alles besser zu wissen, empfehle ich Dir dringend, zu einer Beratungsstelle für Hochbegabung zu gehen. Es gibt in Deutschland einige sehr gute Einrichtungen, zum Beispiel die Hochbegabtenförderung e.v. mit Sitzen in Berlin und Bochum, außerdem gibt es ein sehr renommiertes Institut in Münster, das Internationale Centrum für Begabungsforschung (ICBF). Es ist der Universität Münster angeschlossen. Beide findest Du leicht im internet. Ich weiß nicht, was für Dich gut zu erreichen ist. Im ICBF kannst Du testen lassen, die Hochbegabtenförderung e.V. arbeitet mir Psychologen zusammen, die testen, und kann Dir sicher einen in Deiner Nähe empfehlen. Unter Umständen übernimmt die Krankenkasse einen Teil der Kosten für den Test.
Folgendes solltest Du noch wissen:
- Es gibt Fälle, in denen Kinder sich sehr viel von der Schule erhofft und erwartet haben und dann bitter enttäuscht feststellen müssen, dass dort auch nur mit Wasser gekocht wird und sie dort nicht plötzlich ein tolles neues Leben voller interessanter Lernmöglichkeiten haben. Das ist für sie total demotivierend, und viele reagieren mit Lern- bzw. Schulverweigerung.
- Es gibt viele Kinder, die hochbegabt sind, aber vor der Schule noch nicht lesen und schreiben können. Jedes Kind ist anders. Vielleicht hat Dein Sohn auch schon mehr gekonnt, als er gezeigt hat.
- Viele Kinder, die erheblich mehr können als andere, zeigen das nicht, um von den anderen Kindern nicht abgelehnt zu werden. Wenn ein Kind anders ist, ist es ja in der Regel erstmal suspekt. Hochbegabte Kinder haben häufig extrem feine Sensoren und merken schnell, was die Gruppe will. Daher wäre es nicht unwahrscheinlich, dass Max absichtlich seine sehr guten Leistungen unter den Tisch fallen lässt. Eins ist klar: Er hat begriffen, dass er mit seinem Potenzial in der Schule nicht weiterkommt. Das einzige, was ihm das bringt, sind Langeweile und Ablehnung. Daher zieht er sich zurück.
- Für Euch als Eltern ist wichtig, dass Ihr Max nicht durch Stigmatisierung in eine Außenseiterrolle schiebt, sondern ihm versucht zu helfen, mit seinen tollen Fähigkeiten ein glückliches Kind zu werden. Dazu gehört, dass er seinen Fähigkeiten entsprechend gefordert und gefördert wird; dazu gehört aber auch, dass er bei Euch so sein darf, wie er ist. Er scheint etwas von seinem Selbstbewusstsein verloren zu haben, und das müsst Ihr ihm wiedergeben. Aber nicht nur, indem Ihr ihm sagt, dass er ein super Schüler ist (das weiß er ja), sondern, indem Ihr ihm zeigt, dass Ihr ihn liebhabt. Und: indem Ihr ihn "normal" behandelt. Er muss lernen, dass man in unserer Gesellschaft Hausaufgaben machen muss und bestimmte Leistungen bzw. Erwartungen erfüllen muss, sonst hat man auf Dauer große Schwierigkeiten im Leben. Nur wenige Menschen putzen gerne das Bad...
- Ich würde ihm außerdem einen Sport oder das Lernen einen Musikinstrumentes anbieten, wo er vielleicht auf andere Kinder trifft als in der Schule. Evtl. sogar in einem Nachbarort.
Alles Gute, jetzt ist es noch nicht zu spät!