Im letzten Elternbrief, den ich passend zum Alter meines Sohnes erhalten habe, ging es ums Thema Hausaufgaben machen - mir haben die Ratschläge gutgetan, eigentlich kann man sich ja schön entspannen. Ich finde aber, es erfordert einige Überwindung, sich komplett zurückzuhalten. Man kann ja selbst beim Besprechen von Fehlern auch etwas erklären, nicht nur die Lehrerin Wie sehr Ihr das? Wie handhabt Ihr es?
Ich fahre so einen Zwischenweg, lasse mal was falsches stehen oder insistiere nicht, wenn mein Sohn partout keine Zeiger in die Uhr malen möchte, sondern nur die Uhrzeit danebenschreiben (weil er sagt, das müsse er nicht), manche Dinge spreche ich aber doch an und mit ihm durch - lasse ihn dann aber selbst auf die Lösung kommen.
Hier jedenfalls ein Auszug aus dem 41. Elternbrief vom
Hausaufgaben für Eltern und Kind?
Auch wenn Ihr Kind schon zur Schule geht, muss es vermutlich noch nicht täglich Hausaufgaben machen. Es kann aber nicht schaden, sich jetzt schon ein paar Gedanken darüber zu machen, denn mit den Hausaufgaben werden wichtige Weichen in Sachen Selbstständigkeit gestellt.
Wenn Ihr Kind von Anfang an seine Hausaufgaben allein gemacht hat, sich vielleicht sogar Ihre Kontrolle verbittet, ko- nnte Ihnen nichts Besseres passieren. Und Sie haben sich hoffentlich zurückgehalten. Vielleicht wird das, was es abliefert, dann manchmal nicht so perfekt sein wie bei Kindern, deren Eltern bei den Schularbeiten regelmäßig helfen. Aber es lernt etwas, was in seiner Bedeutung gar nicht überschätzt werden kann: selbstständiges Arbeiten.
Ihr Anteil an den Hausaufgaben besteht darin, Ihrem Kind gute Bedingungen für das selbstständige Arbeiten zu schaffen:
o einen Raum, in dem kein Fernseher oder Radio läuft, keine kleineren Geschwister spielen und lärmen;
o einen Schreibtisch, auf dem es sich ausbreiten und auch mal was liegen lassen kann;
o eine ruhige, freundliche Arbeitsatmosphäre.
Manche Kinder, die sich mit den Hausaufgaben schwer tun, mögen es, wenn noch jemand in ihrer Nähe ist, vielleicht liest oder herumkramt. Der Rest ist Sache Ihres Kindes.
Auch wenn es mal nicht zurechtkommt: Lösen Sie nicht seine Aufgaben. Helfen Sie ihm - wenn es fragt -, sie selbst zu lösen:
o Will es wissen, wie viel sieben minus drei ist? Raten Sie ihm, die Finger zu Hilfe zu nehmen.
o Fragt es, ob es "Hose" richtig geschrieben hat? Raten Sie ihm, mit dem Buch zu vergleichen.
o Hat Ihr Kind etwas überhaupt nicht verstanden? Ehe Sie es jetzt mit Ihrer Methode probieren und Ihr Kind noch mehr verwirren, schreiben Sie lieber eine Notiz ins Mitteilungsheft: Bitten Sie die Lehrerin, es noch einmal zu erklären. Viele Lehrerinnen sind dankbar für solche Hinweise.
Sie sind auch nicht dafür zuständig, wie sauber die Hausaufgaben Ihres Kindes aussehen. Sind zum Schluss noch Fehler drin? Wie soll die Lehrerin wissen, was sie noch üben muss, wenn sie die Fehler nicht zu sehen kriegt! Mehrmals durchgestrichen? Da sieht sie, wo noch Schwierigkeiten sind. Wenn Ihr Kind mit seiner Hausaufgabe zufrieden ist, soll sie so bleiben. Wenn die Lehrerin nicht lesen kann, was es geschrieben hat, wird sie ihm das schon sagen.
Hausaufgaben sind die Aufgaben der Kinder. Die Hilfe der Eltern bei den Hausaufgaben darf nicht vorausgesetzt werden. Fehler und Verbesserungen zeigen der Lehrerin, wo es noch hapert. Wann macht Ihr Kind seine Hausaufgaben? Auch das ist in erster Linie seine Sache. Manche Kinder setzen sich gleich nach dem Mittagessen hin. Viele aber sind, wenn sie heimkommen, erst mal geschafft und brauchen eine Pause. Zwischen zwölf und drei, und erst recht nach einem guten Essen, haben die meisten Menschen ein Leistungstief. Das eignet sich nicht gut für geistige Arbeit. Ausgeruht und fröhlich um vier geht alles besser und schneller, als müde und missmutig um zwei. Planen Sie gemeinsam, lassen Sie Ihr Kind ausprobieren, wie es am besten zurechtkommt.
Und wie lange dauern die Hausaufgaben? Immer wieder ergeben Befragungen, dass Kinder viel zu lange daran sitzen. Deshalb gibt es im Schulrecht der Bundesländer Vorschriften dazu. In der ersten Klasse sollten Kinder nicht länger als fünfzehn bis zwanzig Minuten Hausaufgaben machen.
Manche Kinder brauchen eine Weile, bis sie gelernt haben, zügig zu arbeiten. Ein Kurzzeitwecker kann da vielleicht helfen. Sitzt Ihr Kind zu lange an seinen Hausaufgaben, lassen Sie es aufhören, und schreiben Sie eine Notiz dazu in sein Heft. Passiert das häufiger, besprechen Sie es auf dem nächsten Elternabend. Wenn gar keine Hausaufgaben aufgegeben werden, haben die Kinder wahrscheinlich in der Schule schon genug geübt.